Is Overtourism Killing Europe’s Soul? Amsterdam, Santorini, and Hallstatt Are Sounding the Alarm
Verdirbt Massentourismus Europas Seele? Amsterdam, Santorini und Hallstatt schlagen Alarm

Europas berühmteste Ziele werden buchstäblich zu Tode geliebt. Amsterdams Kanäle flüsterten einst Geschichten von Malern und Philosophen – heute hallen sie vom Klicken von 10.000 Selfie-Sticks am Tag wider. Santorinis weißgetünchte Dörfer, gebaut für ein langsames Inselleben, ersticken unter Instagram-Pilgern und Kreuzfahrtarmeen. Selbst Hallstatt, ein Dorf mit 800 Einwohnern, empfängt vor dem Mittagessen schon 6.000 Besucher. Das sind keine bloßen Überfüllungsprobleme – das sind kulturelle Notfälle.
Städte wie Paris, Dubrovnik und Berlin regulieren nicht nur Touristenzahlen – sie kämpfen um ihre Identität. Von Hotelbauten-Verbotsmaßnahmen bis zu Obergrenzen für Kreuzfahrtschiffe erkennen Regierungen, dass ungebremster Tourismus nicht nur Infrastruktur belastet – sondern Traditionen auslöscht. Doch reicht Regulierung aus? Oder übersehen wir tiefere urbane und wirtschaftliche Entwicklungen, die diese Krise befeuern?
Ich lebe hier mein ganzes Leben und habe mitangesehen, wie mein Viertel zu einem Freizeitpark wurde. Der Bäcker, der 40 Jahre lang Stroopwaffeln machte, hat geschlossen, weil die Miete sich verdoppelt hat. Jetzt ist es ein Laden, der ‚I Amsterdam‘-Schlüsselanhänger verkauft. Das ist kein Tourismus – das ist kulturelle Kolonialisierung.
Genau. Wir müssen zwischen Massentourismus und nachhaltigem Reisen unterscheiden. Es geht nicht darum, Tourismus zu stoppen, sondern den Wert neu zu definieren. Warum sollte ein lokaler Barista weniger verdienen als ein Airbnb-Besitzer, der Häuser weiterverkauft? Das ist das eigentliche Ungleichgewicht.
Tun wir nicht so, als ginge es nur um Touristen. Airbnb ist keine neutrale Plattform – es ist ein Finanzinstrument, das Werte aus Städten herauszieht. Jeder Souvenirladen, der einen lokalen Laden ersetzt, schrumpft die langfristige Wirtschaft. Wir erleben den schleichenden Abbau von Vermögen, verkleidet als Gastfreundschaft.
Nächste Woche: ‚Besuchen Sie Prag! Es ist fast wie eine echte Stadt, nur mit noch weniger Einheimischen!‘ Ehrlich, glaubt jemand noch den Tourismusverbänden, wenn sie ‚Authentizität bewahren‘ sagen, während sie Penthouse-Wohnungen für Millionen verkaufen?
Das ist nichts Neues. Venedig hatte ähnliche Probleme im 18. Jahrhundert. Doch heutiger Tourismus ist industrialisiert – es sind nicht Pilger auf dem Jakobsweg, sondern 5.000 Touristen, die jeden Morgen mit Reisebussen anreisen. Die Dimension verändert alles.
Die echte Lösung sind nicht nur Verbote – es ist die Wiedereinbindung von Tourismuseinnahmen in lokale Gemeinschaften. München erhebt Touristensteuern, erlebt aber weiter Gentrifizierung. Wohin fließen diese Gelder? Wenn sie nicht für bezahlbaren Wohnraum verwendet werden, ist das nur symbolische Aktivismus.
Und vergessen wir nicht die Klimakosten. Ein einzigschiff verschmutzt wie 10.000 Autos. ‚Nachhaltiger Tourismus‘ kann nicht bedeuten, Flüge und Mega-Schiffe zu fördern. Der Traum von ‚unentdeckten‘ Orten ist Teil des Problems.
Ich habe am Umleitungsplan für Amsterdam gearbeitet – der Schlüssel liegt darin, Touristen sanft in weniger bekannte Gebiete zu lenken, ohne Einheimische zu verdrängen. Aber es ist sinnlos, wenn die Wohnungspolitik nicht zuerst repariert wird. Man kann Tourismus nicht managen, wenn Einheimische sich das Leben dort nicht mehr leisten können.