Is 'Nuremberg' the Most Uncomfortable Masterpiece of the Year? Or Just Another Oscar Play?
Ist 'Nuremberg' das unangenehmste Meisterwerk des Jahres – oder nur ein Oscar-Hustle?

James Vanderbilt nimmt ein Buch über einen Psychiater, der Hermann Göring analysiert, und macht eine Doppelgeschichte daraus: Ein Teil Gerichtsdrama, ein Teil psychologischer Horror. Das Furchterregendste? Es gibt kein Monster. Göring sabbert nicht – er ist charmant, intelligent und völlig klar im Kopf. Genau darauf läuft es hinaus.
Der Film wagt die Behauptung, dass echtes Böses nicht schreit – es flüstert. Und wenn jemand wie Göring bei einem Abendessen als 'normal' durchgehen könnte, was sagt das über unsere Fähigkeit aus, Faschismus zu erkennen, bevor es zu spät ist?
Die Nürnberger Prozesse waren nicht nur eine Strafmaßnahme – sie haben den Grundstein für das internationale Recht gelegt. Ohne sie gäbe es Institutionen wie den IStGH nicht. Vanderbilt konzentriert sich auf die Psychologie, aber die juristische Innovation war revolutionär.
Genau. Wir verherrlichen das Konzept der 'Banalität des Bösen', aber vergessen dabei, dass es aktive Wachsamkeit braucht, um es zu verhindern. Görings Normalität ist ein Spiegel. Der Prozess sollte uns mindestens so sehr erschrecken wie der Mann selbst.
Das ist keine historische Fiktion. Echte Überlebende haben diese Premiere gesehen. Wir schulden ihnen Respekt – nicht Kassenstatistik. Kunst kann provozieren, aber nicht auf Kosten der Wahrheit.
Ich verstehe die Tragweite, aber Rami Malek und Russell Crowe im gemeinsamen Bild? Das ist Kino-Suchtstoff. Ich brauchte keine Geschichtsstunde – ich brauchte einen Sitzplatz.
Seien wir ehrlich – das wahre Böse ist der Studiosprecher, der das in einem Wahljahr abgesegnet hat. Der Zeitpunkt ist alles. Reine Oscar-Show. Die Kunst ist okay. Das Image? Makellos.
Vanderbilts Film reiht sich in eine lange Tradition historischer Gerichtsdramen ein – von 'Das Urteil von Nürnberg' über 'Der Gespenster Schreiber' bis zu 'Der Prozess gegen die Chicago 7'. Doch dieser wagt einen tieferen Blick: nicht nur 'was passiert ist', sondern 'warum haben wir es nicht kommen sehen?'
Die These des Films ist erschreckend: Böses normalisiert sich. Und wir haben immer noch kein verlässliches Diagnosemittel dafür – nur Rückschau.